Steuerungstechnik


In diesem Workshop werden nur Aktuatoren (in der deutschen Fachlitertur häufig als 'Aktoren' bezeichnet) behandelt, die für einfache Anwendungen im Kontext Medienkunst, Ausstellungsprojekte, Präsentationstechnik handhabbar sind.
Es sollte bedacht werden, dass es viele Möglichkeiten gibt, Kunst- und Medienprojekte zu koppeln mit Aktuatoren "aus dem richtigen Leben". Hierbei wird in die Regel eine Zusammenarbeit mit entsprechenden Fachleuten notwendig sein.

Um die Gliederung nicht zu kompliziert zu gestalten, werden Heizungen (Ohm'sche Lasten allgemein) im Abschnitt "Lampen" und Hubmagnete im Abschnitt "Relais" behandelt.

Unter "Programmierung" werden auf den folgenden Webseiten lediglich die an die Sensorbox zu schickende MIDI-Befehle im Hexadezimal- und im Dezimal -Format angegeben.

 

Anschluss von Aktuatoren:

Der Anschluss von Aktuatoren an die Sensorbox erfolgt ebenso wie der Anschluss von Sensoren, abgeschirmte Leitungen sind in diesem Fall nicht notwendig.

Anders als Sensoren brauchen Aktuatoren meistens eine kräftigere Stromversorgung. An der Sensorbox bzw. Patchbay kann von der 5 Volt Spannung ein Strom von insgesamt maximal 400 mA entnommen werden. Speziell zum Betrieb von Elektromotoren und von 12-Volt Lampen (Halogenlampen oder Kfz-Birnen), aber auch von kräftigeren Relais braucht man eine zusätzliche Spannungsquelle. Motoren sollte man nicht aus der durchgeschleiften "Power" Leitung am "Application I/O" der Sensorbox speisen, stattdessen die unten beschriebene Schaltung verwenden.

In den hier vorgestellten Beispielen wird von einer stabilisierten Spannungsquelle 12Volt, mindestens 1Ampere Belastbarkeit ausgegangen, z.B. Steckernetzgerät SNG1000 von Fa. Conrad Elektronik, Best.Nr. 51 13 15 - 11. Speziell für Schaltnetzteile gilt: erst alles aufbauen und anschliessen, erst dann das Netzteil in die Steckdose. Nicht angeschlossene Netzteile können sich gegenüber der Umgebung auf hohe Spannungen aufladen, die normalerweise für den Menschen ungefährlich sind (Bitzeln beim Anfassen des Steckers), aber leicht integrierte Schaltungen zerstören.

In vielen Fällen ist es möglich, auch die Sensorbox aus der Spannungsquelle für die Aktuatoren zu versorgen. Dies ist möglich über die Buchse "Application I/O" oder über die Power-Buchse. Achtung: bei Speisung der Sensorbox durch die Buchse "Application I/O" ist kein Verpolungsschutz wirksam.
Bei gemeinsamer Stromversorgung sind folgende Faustregeln zu beachten: externe Betriebsspannung mindestens 8 Volt, maximal 20 Volt. Den Minuspol der Versorgungsspannung für die Sensorbox nicht am Netzteil abgreifen, sondern direkt am Anschluss des Aktuators mit dem grössten Störpotential. Den Pluspol für die Versorgungsspannung der Sensorbox möglichst direkt am Netzteil abgreifen. Wenn verkabelungstechnisch möglich, trotzdem die in der Grundschaltung eingezeichnete Entkopplung mit Diode und Elko einfügen.
Bei Abzweigung der Box-Versorgung von der Aktuator-Versorgung muss beachtet werden, dass viele Aktuator-Typen – vor allem Elektromotoren und Verbraucher mit hohem Einschaltstromstoss – dazu neigen, Störimpulse auf ihre Versorgungs-Leitungen zu übertragen. Diese Störimpulse müssen unbedingt von der Sensorbox ferngehalten werden.
In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, die Masseleitung des Steuersignals von der Sensorbox und die Masseleitung des zu schaltenden Stroms getrennt zum Schalttransistor zu führen und nur dort zu verbinden.

In Extremfällen kann es notwendig sein, Sensorbox und Aktuatoren aus völlig getrennten Spannungsquellen zu speisen und das Steuersignal für den Aktuator mit einem Optokoppler zu isolieren. Es ist jedoch sinnvoll, mit einfachen Schaltungstechniken zu beginnen und bei Problemen zusätzliche Entkopplungsmassnahmen zu ergreifen. Im gleichen Sinne kann der Aufbau zuerst mit einer vereinfachten Version der Grundschaltung erfolgen, Feinheit erst bei Störungen nachzurüsten.
Störungen der Sensorbox durch ungenügende Betriebsspannung äussern sich durch wiederholte spontane Aussendung der Gerätekennung.


Folgende zwei Schaltungen (gleiche Funktion mit unterschiedlichen Transistortypen) liefern das Grundmuster für die meisten vorgestellten Aktuatoren mit externer Versorgungsspannung und Stromverbrauch über 50 mA. Für normale Relais reicht eine einfachere Schaltung. Komponenten mit * werden für Motore und Relais benötigt, sie können für Lampen und andere Ohm'sche Lasten weggelassen werden. Die Stromauskopplung zur Speisung der Sensorbox ist natürlich nur aufzubauen, wenn diese Art der Speisung angewandt wird.
Als Kühlkörper wird ein U-förmig gebogenes Alublech -Gesamtfläche ca. 4 mal 4 cm - empfohlen (Conrad Elektronik, Best.Nr. ). Die Blechfahne des Schalttransistors ist leitend verbunden mit dem Kollektor. Daher muss entweder der Transistor isolierend am Kühlkörper angeschraubt werden, oder der ganze Kühlkörper muss isoliert montiert werden, was auf Platinen oder Lochrasterplatten leichter realisierbar ist.
Die Variante mit "smart" Transistor ist ausgangsseitig robuster, neigt jedoch zur Zerstörung der Eingangsschaltung. Zwar ist sie mit einer Zenerdiode gegen kurze Überspannungsimpulse (maximal Millisekunden) abgesichert, verträgt aber keine statisch anliegende Überspannung. Der Transistor ist daher sofort defekt, wenn versehentlich die Anschlüsse "G" und "D" vertauscht werden oder beide Anschlüsse sich berühren. Die Variante mit dem einfacheren Darlington- Transistor ist eingangsseitig etwas robuster, kann jedoch bei Ausgangs- Kurzschluss zerstört werden. Allerdings werden nicht alle Netzteile genügend Strom liefern, um den Transistor zu killen. Der "smart" Transistor hat einen wesentlichen Vorteil gegenüber dem Darlington: im durchgeschalteten Zustand fällt an ihm eine geringere Sättigunggspannung ab, d.h. er wird weniger heiss. Die Dimensionierung ist ausreichend für zu schaltende Ströme bis 2 Ampere, bei höheren Lasten müssen Bauteile neu berechnet werden.

Schaltung mit Darlington-Transistor BD645 (tauschbar gegen BD647, BD649)

D* = 1N4004, R* = 100 Ohm (Richtwert), C* = 100 nF (Richtwert)


Schaltung mit "smart Transistor" BUK100-50GL


D* = 1N4004, R* = 100 Ohm (Richtwert), C* = 100 nF (Richtwert)

Anmerkungen zur Grundschaltung:

Die Diode 1N4004 in der Versorgungsleitung der Sensorbox sperrt während der negativen Störimpulse an der Aktuator-Versorgung und hält diese von der Sensorbox fern. Der 100 uF Kondensator überbrückt die dabei eintretenden kurzen Unterbrechungen der Stromversorgung. Positive Störimpulse werden in der Sensorbox stabilisiert

Der grosse Elektrolytkondensator 1000 uF puffert die Betriebsspannung am Aktuator und hält sie während der Belastungsspitzen stabil. Elektrolytkondensatoren haben allerdings eine gewisse Reaktionszeit, diese wird durch den kleineren aber schneller reagierenden keramischen Kondensator überbrückt. Die RC-Kombination R* C* dämpft die Schalt- und Kommutierungsimpulse des Motors und schliesst dabei entstehende Hochfrequenzstörungen kurz, die insbesondere bei Gleichstrommotoren durch Funken an den Bürsten entstehen. Die angegebenen Werte sind optimiert für einen 12 Volt Mabuchi- Motor mittleren Kalibers. Diode D* ist hier extrem wichtig.

 

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